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"Lesen durch Schreiben" nach Reichen - Eure Meinungen

Hallo zusammen,

im letzten Semester haben wir viel über die Methode von Jürgen Reichen „Lesen durch Schreiben“ diskutiert. Diesbezüglich gibt es viel Kritik, aber auch Lob. Vor allem Lehrer scheinen von der Wirksamkeit der Methode weiterhin überzeugt zu sein. An den Unis wird meist die gegenteilige Meinung vertreten. Auch bei uns im Kurs gab es unterschiedliche Meinungen. Habt ihr diese Methode ebenfalls besprochen? Mich würde besonders eure eigene Meinung und die Ansicht eurer Dozenten interessieren.

 

Viele Grüße!

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"Lesen durch Schreiben" nach Reichen - Eure Meinungen

Hallo :-)

Wir haben die Methode (Soweit ich mich erinnere) nicht besprochen und ich kenne auch keine empirischen Befunde dazu. Allerdings kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen, dass das Konzept bei zwei- oder mehrsprachigen Kindern nicht funktionieren kann. Ich habe parallel Französisch und Deutsch gelernt, und da werden die selben Laute SEHR verschieden geschrieben. Es gibt ja auch genug Worte, die nicht betonte Buchstaben haben. Als Kind war ich schon so überfordert, beide Sprachen auseinander zu halten. Hätte ich noch dazu alles erst falsch gelernt um es dann im nachhinein richtig zu machen, wäre ich wohl vollends ausgestiegen. Daher scheitert die Methode allein schon an solchen Problematiken. Auch Akzente sind da vermutlich problematisch.

Zudem halte ich generell nicht viel von der Idee, Kinder erst machen zu lassen und sie dann im nachhinein aufzuklären, dass es falsch war. Natürlich erkenne ich das Konzept learning by doing an, doch eine feste Angewohnheit (FADDA statt Vater) im nachhinein zu ändern ist meiner Meinung nach schwerer, als sie von Anfang an richtig zu gestalten. 

 

Soweit meine Gedanken ;)

Ich freue mich über Korrekturen von Denkfehlern :-P

Liebe Grüße

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RE: Hallo :-) Wir haben die Me...
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Zudem halte ich generell nicht viel von der Idee, Kinder erst machen zu lassen und sie dann im nachhinein aufzuklären, dass es falsch war. Natürlich erkenne ich das Konzept learning by doing an, doch eine feste Angewohnheit (FADDA statt Vater) im nachhinein zu ändern ist meiner Meinung nach schwerer, als sie von Anfang an richtig zu gestalten. 

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Als ehemaliger Lehrer und aus der Erfahrung mit einer "Freien Schule" kann ich dazu nur sagen, dass Schreibenlernen ein eigener Prozess ist, der zunächst mit dem phonetischen Lesen nichts zu tun hat, sondern ein Erkennen von Zeichen und Strukturen bedeutet. Dabei gibt es immer wieder den Streit, ob es sinnvoll ist, einzelne Buchstaben zu lernen oder besser gleich ganze Wörter. Ich finde, das ist auch kein Thema für die Psychologie, sondern gehört in den Bereich Pädagogik. Ich empfehle daher, sich zunächst mit Sprach-, Wahrnehmungs- und Lernpsychologie zu befassen. Schreiben- und Lesenlernen sind schon sehr spezielle Prozesse. Den Einwand bezüglich zwei- und mehrsprachiger Kinder kann ich nur unterstützen, wobei das schon wieder ein Spezialfall ist.

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RE: ... Zudem halte ich generel...
. Ich empfehle daher, sich zunächst mit Sprach-, Wahrnehmungs- und Lernpsychologie zu befassen. Schreiben- und Lesenlernen sind schon sehr spezielle Prozesse. Den Einwand bezüglich zwei- und mehrsprachiger Kinder kann ich nur unterstützen, wobei das schon wieder ein Spezialfall ist.
Vielen Dank für die hilfreichen Kommentare. Natürlich sind mehrsprachige Kinder ein Spezialfall, aber immerhin einer der immer bedeutsamer wird. An diesen Aspekt habe ich noch nicht gedacht....
Ich finde das Thema auch für Psychologen sehr interessant, vor allem wenn es um die spätere Analyse von Fehlern geht. Wir möchten doch in der Entwicklungspsychologie heraussfinden, wie wir Kinder fördern können. Lesen und Schreiben sind demnach sehr wichtig.

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"Lesen durch Schreiben" nach Reichen - Eure Meinungen

Hallo zusammen,

letztes Semester habe ich ein Seminar zu den neurologischen Grundlagen des Lesens besucht. Wir haben diese Methode zwar nicht besprochen; allerdings fällt mir dazu Folgendes ein: Es macht sicherlich einen Unterschied, in welcher Sprache "Lesen durch Schreiben" gelernt werden soll. Französisch (wie in dem persönlich Fall oben) ist ja eine Sprache mit geringer orthografischer Transparenz; will heißen man spricht manche Laute nicht oder anders, als man sie schreibt. Deutsch oder Italienisch sind da eher transparentere Sprachen, die Kinder schneller Lesen lernen, als nicht transparente Sprachen. Mein Buchtipp dazu: Stanislas Dehaene - Lesen (die größte Erfindung der Menschheit und was dabei in unseren Köpfen passiert).

Welches pädagogische/didaktische Konzept wäre denn eurer Meinung nach besser geeignet, um Kindern das Lesen beizubringen?

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"Lesen durch Schreiben" nach Reichen - Eure Meinungen

Hallo zusammen,

ein wirklich interessantes und heiß diskutiertes Thema, das auch viele Lehrer/Lehrerinnen und Eltern beschäftigt.

Hierzu auch ein Artikel aus SPIEGEL-Online:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-98091072.html

Und vielleicht interessiert sich jemand auch ausführlicher für das Thema. Quasi als "Gegenpart" zu Herrn Reichen möchte ich hier Dr. Fritz Jansen ins Spiel bringen, auf dessen Webseite sich folgendes Manual befindet:

http://www.intraactplus.de/fileadmin/pdf/neuer_Theorieteil_Lesen_und_Rechtschreiben.pdf

Auf S.22f finden sich einige Fehler, die beim Unterrichten/Lehren auftreten können. In Kapitel 2 werden dann die theoretischen Grundlagen aus lernpsychologischer Sichtweise besprochen.

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